Absetzen

 

Das Absetzen

Das Absetzen von der Mutter ist für das Fohlen ein einschneidendes Erlebnis. Damit sich der junge Friese weiter dem Alter entsprechend entwickeln kann, ist eine durchdachte Fütterung unabdingbar auch für die Stute, deren Nährstoffbedarf sich verändert hat. Hier legen wir sehr großen Wert auf die ständige Beobachtung des Vorhabens.

 

Trennung von der Stute zunächst nur stundenweise

Einen konkreten Zeitpunkt kann man nicht nennen, da der Termin abhängig ist vom Entwicklungszustand des Fohlens und dessen Futteraufnahme. Spätestens wenn das Fohlen beginnt, seiner Mutter aufgrund der Zahnbildung beim Säugen wehzutun, wird diese es vermehrt abwehren.

In der Regel bleiben die Fohlen fünf bis sechs Monate bei der Mutter, ein früheres Absetzen ohne zwingenden Grund ist meines Erachtens abzulehnen.

Wenn es dann soweit ist, beginnt man damit, das Fohlen stundenweise von der Mutter zu trennen. Dabei entfernt man die Mutter von dem Fohlen, denn dieses sollte in seiner gewohnten Umgebung bleiben, um nicht noch zusätzlichem Stress ausgesetzt zu sein.

Zur dauerhaften Trennung sollte die Mutter nach Möglichkeit außer Sicht- und Hörweite gebracht werden.

Am besten ist es, wenn mehrere Fohlen als Schicksalsgemeinschaft zusammen sein können. Dann werden Neugier und Spieltrieb schnell über das Geschehen  hinweghelfen, und es ist für alle Beteiligen einfacher

Während der Säugeperiode ernährt sich das Fohlen im wesentlichen durch die Muttermilch der Stute, Nach dem Wegfall dieser Nahrungsquelle muss die Rationsgestaltung für das Fohlen verändert werden. Dies gilt auch für die Stute, denn mit dem Absetzen wird die Milchproduktion eingestellt, was eine erhebliche Reduzierung ihrs Nährstoffbedarfes bewirkt.

 

Körpermasse wird gebildet

Betrachten wir zunächst das Fohlen. Es wächst zusehends heran, was nichts anderes bedeutet, als dass es an Körpermasse zunimmt. Zur Bildung dieser Körpermasse benötigt der junge Friese natürlich Nährstoffe aus dem Futter. Der Nährstoffbedarf eines Fohlens ist aus diesem Grunde gänzlich anders als bei ausgewachsenen Friesen, die nicht gerade hochtragend ( also im achten bis elften Trächtigkeitsmonat) oder laktierend (also milchgebend) sind.

Zum Körperaufbau werden neben viel Energie auch reichlich Eiweiß und Mineralstoffe benötigt. Bedenken Sie bitte, dass der Friese neben der Muskulatur, den Sehnen und Organen auch noch das Skelett auszubilden hat, für das unter anderem auch größere Mengen an Kalium und Phosphor benötigt werden, sowie viele Spurenelemente.

 Daher ist gerade bei wachsenden Friesen die ausrechende Versorgung mit Mineralstoffen so wichtig. Mindestens ebenso wichtig ist jedoch die Vitaminversorgung, deren bekannteste Mangelerscheinung wohl die Rachitis ist, eine Knochendeformation, die durch einen Mangel an Vitamin D verursacht wird.

 

Veränderung des Eiweiß-/Energieverhältnisses

Von ausschlaggebender Bedeutung für das  gesunde Wachstum des Fohlens ist die Versorgung mit Eiweiß und Energie. Das für das Wachstum optimale Eiweiß-/Energieverhältnis liegt deutlich höher als dass für Rationen ausgewachsener Friesen. 

Es ist jedoch nicht konstant, sondern verändert sich mit zunehmendem Lebensalter aufgrund des abnehmenden Zuwachses an Körpermasse. So liegt der Sollwert des Eiweiß-/Energieverhältnisses für Fohlen im sechsten bis zwölften Lebensmonat bei zirka 7,5:1 und im Zeitraum 13. bis 18. Lebensmonat bei 6,6:1. Er nimmt dann im Alter von 19 bis 24 Monaten ab auf 5,9:1  , bis er sich dann ab dem 25. Lebensmonat auf den Wert von 5:1 einstellt.

Eine forcierte Aufzucht von Fohlen ist jedoch nicht unbedingt zweckmäßig, da das endgültige Stockmaß des ausgewachsenen Friesen genetisch festgelegt ist. Ein Fohlen kann durch übertriebene Fütterung in der Aufzuchtphase nicht größer werden, als es die genetischen Informationen des Tieres zulassen, Vielmehr ist es so, dass das noch ungefestigte, weiche Skelett des Friesen durch zu hohe Futtergaben mit unnötigem Gewicht beladen wird, Es sind also keine Vorteile davon zu erwarten. 

Andererseits kann es durch zu verhaltene Fütterung passieren, dass die genetischen Möglichkeiten des Wachstums nicht voll aufgeschöpft werden. Die Fütterung des Fohlens ist also eine Gratwanderung zwischen "Fohlenmast" und Unterversorgung. Eine Berechnung des Bedarfs und der entsprechend notwendigen Zufuhr von Nährstoffen ist also genauso unerlässlich wie die genaue Beobachtung des Friesen.

 

Besseres Wachstum durch hochwertiges Eiweiß

Wissenschaftliche Untersuchungen haben ergeben, das insbesondere im ersten Lebensjahr des Friesen die Versorgung mit essentiellen Aminosäuren und hier besonders mit der Aminosäure Lysin von großer Bedeutung ist. Es hat sich herausgestellt, das Friesen, die mit besonders hochwertigem Eiweiß - wie zum Beispiel Sojaschrot oder Zufütterung von Lysin versorgt wurden, bis zum Alter von acht Monaten deutlich besseres Wachstum zeigten. 

Junges Gras hat ein günstiges Aminosäuremuster, so dass ausreichendes Grasen für Fohlen nur positiv beurteilt werden kann. Eiweiß: Nährstoff: - Aufbaustoff - Konfliktstoff? Neben der Aufnahme von Gras ist auch die reichliche Bewegung der Friesen , möglichst mit Artgenossen auf der Weide oder im Auslauf, für die Entwicklung der Friesen von unschätzbarem Wert.

 

Anderes Futter auch für die Stute

auch die Mutterstute muss nach dem Absetzen anders gefüttert werden als während der Laktation. Normalerweise wird die Milchbildung der Stute mit dem Absetzen eingestellt. Sollte ich jedoch bei der unbedingt erforderlichen Euterkontrolle zeigen, dass dies nicht der Fall ist, sollte die Stute solange ausschließlich mit Stroh und Heu gefüttert werden, bis die Milchbildung aufhört. 

Vorsicht ist allerdings bei bereits wieder tragenden Stuten geboten, damit es durch die Nährstoffunterversorgung nicht zur Resorption der wachsenden Frucht kommt. Wenn nach dem Absetzen die Milchbildung eingestellt ist, kann die Stute wie ein Sport- oder Arbeitspferd gefüttert werden. 

Das heißt, das Eiweiß-/Energieverhältnis der Ration sollte 5:1 betragen oder sich diesem Wert so weit wie möglich annähern. Dabei ist die Nährstoffzufuhr natürlich dem Friesengewicht sowie der geleisteten Arbeit entsprechend zu gestalten. 

Die bedeutet für einen Friesen mit zirka 600kg Lebendmasse im Erhaltungsstoffwechsel (ohne Arbeitsleistung) einen Nährstoffbedarf von ungefähr 72 MJ DE und 360g verdaulichem Eiweiß ( MJ =Abkürzung für Megajoule, Einheit für Energie; DE = Digestible Energy, internationale Bezeichnung für verdauliche Energie). Dieser Bedarf lässt  sich mit zirka vier Kilogramm Heu und vier Kilogramm Kraftfutter täglich abdecken. 

Das Eiweiß-/Energieverhältnis liegt dann jedoch bereits bei zirka 7:1. Natürlich sind diese Angaben unverbindlich und nur als Anhalt zu sehen, da gewachsene Futtermittel naturgemäß starken Schwankungen in den Inhaltsstoffen unterliegen und die Bedarfwerte natürlich auch Tierindividuelle Unterschiede zeigen. In Hinblick auf die Mineral und Vitaminversorgung sind Sie auf jeden Fall auf der sicheren Seite, wenn Sie ein geeignetes Mineralfutter in der vom Hersteller empfohlene Dosierung einsetzen. 

In diesem Zusammenhag muss auch gesagt werden, dass Stuten, die während der Laktation bereits wieder belegt wurden, bis zum siebten Monat der Trächtigkeit einschließlich als niedertragend gelten und somit nach dem Absetzen des Fohlens wie Sport- oder Arbeitspferde gefüttert werden können. Der Fötus wächst in dieser Phase noch nicht so stark, dass eine abweichende Fütterung gerechtfertigt wäre. Erst ab dem achten Trächtigkeitsmonat muss die Fütterung umgestellt werden, alles andere wäre des Guten zuviel.

Rationsberechnung für einen Friesen, 7. bis 12. Lebensmonat:

6,00 kg Weide, mittel

3,00 kg heu, später Schnitt

0,50 kg Gerstenstroh

1,00 kg Haferkörner

1,00 kg Ergänzungsfutter

Trockenmasse              6,1 kg

Rohfaser                     25,8%

verdauliche Energie      59,3 MJ

verdauliches Eiweiß  507,6 g

Calcium                      51,5 g

Natrium                      9,4 g

Vitamin A          107265,0 IE

Vitamin D 5491,8 IE

Vitamin E 539,7 mg

verdauliches Eiweiß : verdauliche Energie = 8,56:1

Clacium : Phosphor = 2,02 : 1

Kosten pro Tag etwa 1 Euro

 

Fohlenstarter austauschen

Sollte das Fohlen mit einem speziellen, magermilchpulverhaltigen Fohlenstarter gefüttert worden sein, wird es nach Zeit, diesen gegen Futtermittel mit rein pflanzlichen Inhaltsstoffen auszutauschen. Die Umstellung sollte allmählich schon während der Säugeperiode bei sich abzeichnendem Absetzen begonnen werden, denn jede Futterumstellung bedeutet für die Friesen eine zusätzliche Belastung, wenn sie zu schnell geschieht.

Sollte es sich um ein Zusatzfutter für Saugfohlen, Absetzer und Jährlinge handeln, kann dieses - natürlich in angepasster Dosierung - weiter verabreicht werden.. Diese Futtermittel sind in der Regel ohne Inhaltsstoffe tierischer Herkunft konzipiert.

Normalerweise steht den Fohlen zum Zeitpunkt des Absetzens reichlich Gras zur Verfügung das diese auch gern fressen dürfen, denn der Energie- und Eiweißbedarf bei den Absetzern ist hoch, wie sich den vorher Gesagten bereits erkennen lässt.

Eine Ergänzung der Ration mit einem geeigneten vitaminierten Mineralfutter ist aus meiner Sicht unerlässlich. Unter ungünstigen Umständen kann eine Ergänzung mit bis zu drei Kilogramm geeignetem Kraftfutter (Hafer/Mischfutter) bei mittelgroßen Tieren erforderlich sein. Bei Kälteeinbrüchen sind die Fohlen möglichst über Nacht einzustallen, damit Energieverluste über Haut und Fell vermieden werden.

Bedenke Sie stets, dass das, was im Fohlenalter bei den Friesen versäumt wird, später nicht mehr so einfach nachgeholt werden kann. Wachsende Friesen sollten weder gemästet noch knapp versorgt werden, wenn sie eine gute Zukunft haben sollen!!!