Das Heu

Das Heu ist mit 40 bis 60 % Rationsanteil das Hauptfuttermittel unserer Friesen.

Heu ist für die Friesen in der Fütterung von grundlegender Bedeutung. Unsere Wiesen und Weiden bewirtschaften wir selbst und produzieren auch das eingesetzte Rauhfutter - z.B. Pferde-Silage oder ggf. Heu -  welches die Friesen auf unserem Gestüt benötigen, in eigener Regie. Die Gesundheit der Friesen sowie der Allgemeinzustand des Friesen hängt nicht unwesentlich von diesem wichtigen Futtermittel ab. Heu kann nur in begrenztem Umfang durch andere Futtermittel ersetzt werden.

Die Ernährung des Friesen basiert auf der stundenlangen Aufnahme von Weidegräsern mitsamt deren Blüten und Samen, denn bis zu ca. 20 Std. am Tag kann man Sie dabei erleben.  Dabei spielt die Faserlänge des aufgenommenen Grases eine bedeutende Rolle. Erst ab 30 cm gilt Gras als lang genug, um beim Friesen die so wichtige Verdauung zu optimieren.
Heu, das im wesentlichen bei uns nach der Blüte geerntet wird, gilt daher ernährungsphysiologisch gesehen als Futtermittel Nr.1 für Friesen und es bedarf einer guten Qualität.

 

 

Warum legen wir einen so großen Wert auf die Fütterung, sowie auch als Beigabe, von Heu?


Heu dient dem Friesen als sogenanntes "Strukturfutter". Durch die Aufnahme von Heu wird der Darm mit wertvoller Rohfaser gefüllt und kann sich dementsprechend voll entfalten. Unter Rohfaser versteht man (entsprechend der Weender Analyse) säureresistente Futterbestandteile (z.B. Zellulose, Hemizellulose, Pektin und Lignin), die nicht wie Fett, Kohlenhydrate und Eiweiß im Dünndarm verdaut werden können, sondern ausschließlich durch Milliarden von Mikroorganismen im Dickdarm abgebaut werden. Dabei entstehen u.a. energieliefernde Essig- und Propionsäure. Der Friese nutzt also die Rohfaser als Energielieferanten und es ist daher sehr wichtig, Ihm ausreichend zu geben.

In allen Friesenrationen sollte mindestens ein Anteil von 0,5 bis 0,8 kg kaufähiges Rauhfutter (Heu o. Stroh) pro 100 kg LM enthalten sein. Ein ausgewachsener Friese mit ca. 600 kg LM benötigt täglich mindestens 3 bis 5 kg Heu. Säugende Stuten mit Fohlen benötigen täglich ca. 0,8 bis 1 kg Rauhfutter je 100kg Lebendmasse.

Der Heuanteil in der Gesamtfuttermenge beträgt in den meisten Rationen ca. 40 - 60 %.

Leider findet man immer öfter die Situation, dass die Vorräte zur Neige gehen und man dann gezwungener Weise auf minderwertige Qualität zurückgreift! Hier ist die Verantwortlichkeit eines jeden Halters gefordert, seine Vorräte so zu berechnen, damit nicht die Friesen die Leidtragenden sind!

Physiologische Wirkung von Heu in der Friesenfütterung:

Besonders die Struktur von Heu macht seinen Einsatz für einen ungestörten Ablauf der Verdauungsvorgänge unerlässlich. Der Bedarf an Struktur wird in dem Wert Rohfasergehalt ausgedrückt. Heu ist rohfaserreich, strukturiert und bewirkt eine mechanische Kau- und Speichelsekretion.

Der Hauptbestandteil der Rohfaser ist die Zellulose aber auch Holz- und Korkstoffe sind darin enthalten. Diese Substanzen werden mit zunehmendem Alter der Pflanze in den Zellwänden eingelagert. Der Rohfasergehalt ändert sich durch die Verarbeitung des Futters nicht. Hingegen ändert sich seine Struktur des Futtermittels wenn es wie z.B. Grünmehl gemahlen wird.

Durch das Mahlen des Futters geht die Struktur verloren und damit der Einfluss auf die Regulierung der Nahrungsaufnahme sowie Kau- und Speicheltätigkeit. Als weitere Begleiterscheinung tritt bei abnehmender Struktur des Futters eine verminderte Kautätigkeit auf, was eine geringere Speichelproduktion zur Folge hat. Der Speichel wird für die Herstellung eines schluckfähigen Nahrungsbreies und eine optimale Passage des Futters durch den Verdauungskanal benötigt.

Der Hauptbestandteil von Heu ist Zellulose. Zellulose wird in den hinteren Darmabschnitten durch Mikroorganismen (Bakterien und Protozonen) bzw. durch die von diesen abgegebenen Enzymen in flüchtige Fettsäuren ( Essig-, Propion-, Milch- und Buttersäure) abgebaut. Speziell die flüchtigen Fettsäuren stellen einen Energiespeicher mit Langzeitwirkung dar.

Die Zweite Aufgabe von Heu besteht darin durch seinen Anteil in der Ration einen lockeren voluminösen Futterbrei zu ergeben der ein verkleben und eine Stauung des eingespeichelten Futters verhindert. Feinteilige, mehlförmige Futterbestandteile verkleben im Magen weil sie nicht genügend durchsaftet werden können. Als Folge kommt es zur mikrobiellen Fehlgärung mit Gasbildung ( Kolik).

Strukturreiche Futtermittel in der Futterration ermöglichen eine gleichmäßige Benetzung der Futterbestandteile und bietet den körpereigenen und mikrobiellen Enzymen überall günstige Ansatzpunkte. Diesen Zweck erfüllt nur die Rohfaser aus Heu, Stroh und Grassilage.

Nassfutter sowie auch Maissilage, weist keine genügende Struktur auf. In Trockenschnitzeln, Biertreiber Malzkeimen und Grünmehl liegt die Rohfaser in zu kurzen Partikeln vor. Sie ist mikrobiell verwertbar aber nicht strukturgebend.

 

Nährstoffgehalt von Heu (pro kg ursprüngliche Substanz)

Wiesenheu grasreich

verdauliches Energie (MJ)

verdauliches Rohprot. (g)

Rohfaser- gehalt (g)

Calcium (g)

Phosphor (g)

1. Schnitt vor Ähren/ Rispenschieben

9,4

74

207

4,7

3,6

1. Schnitt Beginn bis Mitte Blüte

8,0

54

269

4,3

2,6

1. Schnitt nach Blüte

7,3

44

294

4,3

2,4

2. Schnitt unter 4 Wochen

8,7

75

200

4,9

3,2

           
Wiesenheu klee- und kräuterreich          
1. Schnitt vor Ähren/ Rispenschieben

9,3

105

198

8,3

3,6

1. Schnitt Beginn bis Mitte Blüte

8,0

75

264

8,3

2,6

1. Schnitt nach Blüte

7,4

61

292

8,3

2,4

2. Schnitt unter 4 Wochen

8,8

100

194

8,3

3,2

Heu sollte aus physiologischen Gründen für die Friesenfütterung nicht nach der Gräserblüte geschnitten sein. In diesem Zustand ist das Futter bereits stark überaltert und damit auch stark verholzt.

Stark überaltertes Heu das in der Fütterung eingesetzt wird fördert die Verarmung der Bakterienflora im Darm und somit weisen diese eine geringere Aktivität auf. Als Folge hieraus können analog wie bei der Verfütterung von Stroh Anschoppungen (Verstopfungen) entstehen die im weiteren Verlauf zu Koliken führen können.

Aus diesem Grund wird von der Verfütterung von Stroh in größeren Mengen abgeraten.

Als Indikator für die Verholzung und Überalterung kann der Rohfasergehalt des Futters herangezogen werden.

  • Der Rohfasergehalt in der Gesamtration bei Friesen sollte 16 bis 18 % betragen!
  • Kein überaltertes Heu in der Friesenfütterung einsetzen
  • Der Rohfasergehalt von Heu sollte dennoch über 20 % liegen
  • Heugewinnung bei Beginn bis Mitte der Blüte der Gräser 
  • Hygiene bei der Heuwerbung und Lagerung


Um eine ausreichende Versorgung mit Sauerstoff sicher zustellen hat der Friese eine sehr große Lunge. Die Oberfläche der Pferdelunge beträgt ausgebreitet mehreren hundert Quadratmeter. Das durchschnittliche Atemvolumen des Warmblutpferdes beträgt ca. 60 l / min. Über dieses große Luftvolumen gelangen bei schlechter Futterhygiene große Mengen an Staub und Schmutz in die Luftwege. Jahrzehntelang wurde dieses Problem vernachlässigt.

Dies hat dazu geführt, dass speziell mit zunehmendem Wechsel vom Arbeitspferd zum Freizeitpartner, mit verstärkter Stallhaltung der Friesen zunehmend Probleme mit Krankheiten des Atmungstraktes bzw. Schädigungen der Lunge aufgetreten sind. Ist die Lunge nicht mehr voll funktionsfähig leidet die Leistung des Friesen darunter.

Der Friese ist nicht mehr voll belastbar. Ein Problem das in den vergangenen Jahren bei den Friesen weit verbreitet war. Laut Schadensstatistik der VTV, einem der größten Deutschen Versicherungsunternehmen für Pferde, wurden in den Jahren 1984 bis 1994 durchschnittlich der versicherten Friesen mit folgenden Abgangsursachen abgefunden: 

(Schadensursachenstatistik nach Hommerich VTV)

 

Krankheiten der Verdauungsorgane 18,2 - 10,6 %
Krankheiten des Atmungsapparates 17,6 - 6,7 %

 

 

Altes Friesengestüt

Wittenbergen

 

Birgit und Karsten Walther 

Alt Wittenbergen 7

25548 Wittenbergen

Telefon: 04822 6369

FAX: 04822 378 5801

info@altes-friesengestuet-wittenbergen.de

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